Ernst Dokter im Netzwerk Ingenieure
THERMISCHE ABFALLVERWERTUNG:
Bereich Dampf-Wasser-Kreislauf mit Dampfturbinen und Wärmeauskopplung
für Komfort- und Prozesswärme
Strom versus Fernwärme
aus Biomasse- oder Müll-Heizkraftwerken
Moderne Müllverbrennungsanlagen in der Schweiz (Kehrichtverbrennungsanlagen)
arbeiten mit einer hoch Effizienten Abgasreinigung und sind bemüht
den thermischen Wirkungsgrad erheblich zu verbessern.
In den meisten Anlagen ist die Wärme-Kraft-Kopplung
realisiert, d.h. Stromerzeugung und Abgabe von Fernwärme für
Komfortheizzwecke oder Prozesswärme für die Industrie.
Bei der Komfortwärme wird Heisswasser als Wärmeträger
verwendet. In den meisten Fällen mit Vorlauftemperaturen von 130°C
und Rücklauftemperaturen von 70°C, wobei bei allen Anlagen daran
gearbeitet wird, die Rücklauftemperatur auf 60°C abzusenken um
durch die grössere Temperaturdifferenz eine grössere Kapazität
der bestehenden Fernleitungen zu erreichen.
Bei der Abgabe von Prozesswärme aus den Verbrennungsanlagen
mittels Dampf als Wärmeträger liegen die Dampfparameter zwischen
5 bar, 180°C bis zu 25 bar, 300°C oder sogar mit Frischdampf-Parametern
40 - 50 bar und 400°C
Heute sind Entfernungen für die Dampfleitungen bis
zu 10 km realisierbar, wobei das Zweileitersystem Dampf und Kondensat
mit entsprechenden Kondensatabscheidern sich weitestgehend durchgesetzt
hat.
Da für industrielle Zwecke eine weit grössere
Nutzungs-Stundenzahl gegenüber der Komfortwärme vorliegt, sind
Liniendichten von 10´000 bis 25´000 MWh/km a (gelieferte Jahreswärmemenge
dividiert durch die Trasselänge) keine Seltenheit.
Ganz anders bei der Komfortwärme. Während z.B.
die seit 1940 in Betrieb stehende Fernheizung in Basel eine Liniendichte
von ca. 5´000 MWh/km a (d.h. Wärmelieferung von ca. 900´000
MWh pro Jahr und einer Trasselänge von 180 km) aufweist, gibt es
Kehrichtverbrennungsanlagen, bei denen diese Zahl lediglich bei 1´500
MWh/km a liegen.
Naturgemäss sind hier die Jahresverluste in der
Grössenordnung von 20% während sie bei Dampfsystemen bei knapp
5% liegen.
In Zukunft wird es bei Anlagen mit Komfortwärmeabgaben
in der Grössenordnung von 30´000 bis 80´000 MWh/a interessant
sein, durch Heisswasser-Speicheranlagen, insbesondere im Winter, die morgendlichen
Spitzen von 7 bis 12 Uhr aus dem Heisswasserspeicher zu beziehen und vermehrt
genau in dieser Zeit Strom in das Netz zu Spitzenpreisen abzugeben.
Wenn während den Wintermonaten an ca. 150 Tagen
Spitzenstrom zu einem erheblich höherem Preis von den E-Werken vergütet
wird, sind Heisswasser-Speicheranlagen mit einem Inhalt von z.B. 800 m3
mit einer Speicherkapazität von ca. 80 MWh mit entsprechenden Ladepumpen
und den vorhandenen Netzpumpen in ca. 5 bis 7 Jahren amortisiert.
Das nachfolgende Bild zeigt die Abhängigkeit
der Stromminderproduktion bei unter-schiedlichen Wärmeabgabe-Parametern.
|